Das Schloß

Man weis nicht wie die im 10./11. Jahrhundert errichtete Wasserburg ausgesehn hat. Im Laufe ihrer jahrhundertelangen Geschichte gab es mehrere Umbauten. Wir sind über ihre baugeschichtliche Entwicklung - vor allem in den ersten Jahrhunderten - nicht  unterrichtet, weil es darüber an Quellen mangelt.

Es dürfte kaum ein Zweifel daran bestehen, dass das Wasserschloss im quadratischen Grundriss mit vier Grundflügeln erbaut worden ist. Der monumentale 16,50 m hohe, aus Granitquadern erbaute runde Sockel des Turmes geht in seinem Fundament auf die Bauzeit 980/1030 zurück. Der Turm hat einen Durchmesser von 11,60 m. Die Mauerdicke beträgt  unten 3,50 m und verringert sich nach oben. Auf dem starken Sockel erhebt sich über einem Gurtgesimse ein zwölfseitiges Backsteingeschoss mit abgedachtem Rand. Dies trägt einen ebenso gestalteten, aber eingezogenen Fachwerkaufsatz, der gekrönt wird von einer ausgeschweiften zwölfeckigen, schiefergedeckten Haube mit zierlichen Erkern und einer Wetterfahne.

Mit 43 m Höhe ist der Schlossturm das höchste Gebäude in Diepholz und Wahrzeichen der Stadt und Umgebung.

Die Burganlage war so klein, daß für einen landwirtschaftlichen Betrieb kein Raum vorhanden war. Er wurde vom Wirtschaftshof vor der Burg, der um 1280 überlieferten curtis ante castrum betrieben. Dieser lag am Südende des Willenberg. Die Edlen von Diepholz haben ihre Burg sicherlich je nach den jeweiligen militärischen Erfordernissen und nach ihrer wirtschaftlichen Lage so stark und wehrhaft ausgebaut, daß sie zu einer bedeutenden militärischen Feste ihrer Herrschaft, zu einer Herrenburg und zu einem ansehnlichen Residenzschloß wurde.

Der die gesamte Wehranlage einschließende Burggraben war einst viel breiter als heute. Die Lohne und die alte Strothe lieferten ihm ständig Wasser. Zum Schutz der Feste trugen auch die anderen, weiter vor ihr fließenden Lohnen und Hüden bei. Das sumpfige Gelände und die Wasserläufe, bei denen durch Stauungen Überschwemmungen herbeigeführt werden konnten, sicherten die mittelalterliche Burg somit in natürlicher Weise im Westen, Süden und Osten. Nur ein einziger Zugang, die Zugbrücke über dem Burggraben und sein starkes Torhaus vor dem Westflügel, verbanden die Burg mit der Außenwelt, zu der man nur von Norden aus zu ihr gelangen konnte.

Das Schloss ist im Laufe der Jahrhunderte mehrmals baulich verändert worden. Um 1350 ließ es der Edelherr Rudolf völlig umbauen, bevor er mit seiner Gemahlin, der Gräfin Margarete von Hoya, einzog. Ein über der Nordtür des Schlosses eingefügter Steinfries stammt aus jener Zeit; er zeigt das Wappen der beiden Geschlechter von Diepholz und Hoya.
Während des 30jährigen Krieges bewährte das Schloss sich mehrfach als Schutz- und Trutzburg. Trotzdem konnten dänische Truppen es 1626 in Brand setzen und schwedische Soldaten unter dem Obersten Kratzenstein es 1637 erobern und bis auf die Grundmauern zerstören.

Herzog Christian-Ludwig von Lüneburg-Celle ließ das Schloss um 1660 wiederherstellen. Die alten Grundmauern blieben dabei erhalten.
Als spanische Truppen während des niederländischen Freiheitskampfes auch unsere Gegend "jemerlych überzogen", ließ die Regierung in Celle, die seit dem Aussterben des Diepholzer Grafengeschlechts (1585) für unsere Grafschaft zuständig war, die Festung erheblich verstärken.

1790 brannten der Südflügel und Teile des Westflügels ab. Abgesehen von Erneuerungsarbeiten erhielten der Schlossturm um 1660, die Nebengebäude um 1837 und 1877 ihr heutiges Aussehen.
Mit dem Aussterben des Grafengeschlechts in männlicher Linie verlor das Schloss seinen Residenzcharakter. Bis 1723 beherbergte es die Landdrosten, später die Amtmänner und andere herrschaftliche Beamte. Außerdem diente es den Herzögen bzw. Kurfürsten von Celle bzw. Hannover als Jagdschloss.


Nach oben